Die Frage
wenn eine Katze in der Nacht miaut, bis ihre Besitzerin aufsteht und sich dann zuihrer Besitzerin ins Bett legt, aber nur für eine Stunde schläft und dann aus dem Haus hinaus geht, woran kann das liegen? Was kann man tun, dass die Katze nicht die Besitzerin weckt?
Die Antwort
Dieses Verhalten ist bei Hauskatzen gar nicht so ungewöhnlich. Wenn die Katze jede Nacht etwa zur gleichen Zeit miaut, bis ihre Besitzerin aufsteht, und sich anschließend nur etwa eine Stunde mit ins Bett legt, bevor sie das Haus verlässt, können verschiedene Ursachen dahinterstecken.
Die häufigsten Gründe sind:
- Suche nach Nähe und Sicherheit
Manche Katzen möchten sich vergewissern, dass ihre Bezugsperson da ist. Das Miauen dient dann dazu, die Besitzerin zu wecken. Ist das Ziel erreicht, kuschelt sich die Katze ins Bett, schläft kurz und geht anschließend ihren eigenen Aktivitäten nach. - Gewohnheit
Katzen lernen sehr schnell. Wenn die Besitzerin über längere Zeit auf das Miauen reagiert hat, hat die Katze gelernt:“Wenn ich miaue, steht mein Mensch auf.“
Das Verhalten wird dadurch unbeabsichtigt belohnt. - Frühmorgendlicher Aktivitätsrhythmus
Katzen sind besonders in der Dämmerung aktiv. Viele möchten kurz vor Sonnenaufgang nach draußen, jagen oder ihr Revier kontrollieren. - Hunger
Manche Katzen verbinden das Aufstehen der Besitzerin mit Futter. Selbst wenn sie danach wieder schlafen, kann das ursprüngliche Motiv das Frühstück gewesen sein. - Langeweile
Vor allem Wohnungskatzen oder Katzen mit wenig Beschäftigung am Abend können nachts aktiver sein. - Alter oder gesundheitliche Probleme
Besonders ältere Katzen können nachts orientierungslos sein oder aufgrund von Schmerzen, Bluthochdruck, Schilddrüsenüberfunktion oder nachlassendem Hör- oder Sehvermögen häufiger miauen. Wenn das Verhalten plötzlich neu auftritt, sollte ein Tierarzt die Katze untersuchen.
Was kann man dagegen tun?
Je nach Ursache helfen unterschiedliche Maßnahmen:
- Die Katze vor dem Schlafengehen intensiv beschäftigen (15–20 Minuten spielen).
- Anschliessend eine kleine Mahlzeit geben. Viele Katzen schlafen danach länger.
- Falls sie nachts nach draussen möchte, kann – sofern die Umgebung sicher ist – eine Katzenklappe helfen.
- Morgens erst dann füttern, wenn die Katze einige Minuten ruhig war. So lernt sie nicht, dass Miauen sofort zum Erfolg führt.
- Nach Möglichkeit nachts nicht auf das Miauen reagieren. Das ist anfangs oft schwierig, weil die Katze möglicherweise einige Nächte sogar lauter miaut (ein sogenannter „Löschungseffekt“), bevor sie das Verhalten aufgibt.
- Einen gemütlichen Schlafplatz in der Nähe des Bettes anbieten, falls sie hauptsächlich Nähe sucht.
In diesem geschilderten Fall
Dass die Katze nur etwa eine Stunde im Bett schläft und danach freiwillig hinausgeht, spricht eher gegen Hunger als Hauptursache. Es wirkt eher so, als wolle sie:
- kurz Nähe und Geborgenheit,
- sich vergewissern, dass ihre Besitzerin wach bzw. erreichbar ist,
- anschließend ihrem normalen Morgenrhythmus folgen.
Dieses Muster sieht man häufig bei sehr menschenbezogenen Katzen.
Ergänzung
Da die Katze schon viele Jahre alt ist, in Thailand lebt und jederzeit in den großen Garten gehen kann, ist es eher unwahrscheinlich, dass sie nachts deshalb miaut, weil sie hinausgelassen werden möchte. Sie könnte jederzeit selbst hinausgehen.
Die wahrscheinlichsten Ursachen sind daher:
- Sie sucht gezielt die Nähe ihrer Herrin. Ältere Katzen werden häufig anhänglicher. Sie möchten sich nachts oder in den frühen Morgenstunden vergewissern, dass ihre Bezugsperson da ist. Das gemeinsame Schlafen für etwa eine Stunde könnte ihr das Gefühl von Sicherheit geben.
- Sie hat einen festen Tagesrhythmus entwickelt. Viele ältere Katzen schlafen tagsüber häufiger und werden nachts oder in den frühen Morgenstunden wach. Wenn sie seit Jahren Erfolg damit hatte, ihre Herrin durch Miauen zu wecken, ist dieses Verhalten zu einer Gewohnheit geworden.
- Altersbedingte Veränderungen. Ältere Katzen können schlechter sehen oder hören oder nachts etwas orientierungslos sein. Manche werden auch unruhiger. Wenn das nächtliche Miauen erst in den letzten Monaten begonnen hat oder deutlich häufiger geworden ist, wäre eine tierärztliche Untersuchung sinnvoll. Ursachen können beispielsweise Schmerzen, eine Schilddrüsenüberfunktion, Bluthochdruck oder altersbedingte kognitive Veränderungen sein.
Was könnte helfen?
Da die Katze offenbar nicht nach draußen möchte, sondern die Herrin weckt, um anschließend neben ihr zu schlafen, würde ich Folgendes versuchen:
- Einen besonders gemütlichen Schlafplatz direkt neben dem Bett einrichten. Manche Katzen akzeptieren diesen nach einiger Zeit als Alternative.
- Vor dem Schlafengehen bewusst Zeit mit der Katze verbringen, sie streicheln oder – falls sie noch gerne spielt – kurz beschäftigen.
- Nicht jedes Miauen sofort belohnen. Wenn gesundheitliche Ursachen ausgeschlossen sind, kann konsequentes Ignorieren das Verhalten langfristig abschwächen. Das erfordert allerdings Geduld und kann anfangs zu mehr Miauen führen.
- Wenn sie nur Gesellschaft sucht, kann manchmal schon eine Hand, die vom Bett herunterhängt, oder ein Kleidungsstück mit dem Geruch der Herrin in ihrem Schlafplatz beruhigend wirken.
Mir fällt noch etwas auf
Dass die Katze nur etwa eine Stunde bei der Herrin bleibt und danach wieder hinausgeht, ist interessant. Das spricht dafür, dass das eigentliche Ziel nicht das Schlafen ist, sondern der Kontakt. Nachdem dieses Bedürfnis erfüllt ist, beginnt für sie ihr normaler Morgen: Sie geht in den Garten, kontrolliert ihr Revier oder genießt die kühleren Morgenstunden.
Daher vermute ich, dass es sich eher um ein soziales Ritual als um ein Problem handelt.
